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Tatsächlich
gibt es kaum einen Ort in dieser Stadt,
wo eine derartige Massierung schöner Menschen
anzutreffen ist - wie an manchen Tagen im Stein.
Und zwar schöne Menschen beiderlei Geschlechts.
Das ist aber schon die eindeutigste Aussage, die
über dieses Lokal gemacht werden kann.
Denn das Stein ist sehr viel. Einerseits vor allem:
ein Frühstücks-Café. Zu moderatem Mozart-Klavierkonzert-
Geplätscher sind Kaffee (Tee, Schokolade) sowie
Butter, Marmelade oder Honig und zwei Stück Handgebäck
für
€ 4,80 wohlfeil. Dazu vielleicht eine Joghurtschale
(1 Prozent Fett für den schönen Leib) mit frischen
Früchten zu € 3,40 oder gar ein Vollkornmüsli mit
Orangenfilets und Weintrauben (€ 4,20).
Was das Stein in dieser Sache besonders sympathisch
macht, ist die Ankündigung auf der Speisekarte:
"Frühstück bis 20 Uhr". Andererseits ist das Stein
vor allem: ein Szene-Lokal. Abends
sind nicht nur sehr schöne, sondern auch viele
schicke Menschen hier. Ja: Ein Teil des Publikums
ist mindestens so schick wie die Einrichtung.
Und so gestylt wie die Stein-Toilette ist kaum
eine in Wien. Allerdings hat das Schicksein hier
nichts Ausschließliches. Die Mischung der Gäste
entspricht durchaus der steinschen Location: genau
zwischen Hauptuni, Juridicum und Anatomischen
Institut.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muss
allerdings auch erwähnt werden. dass es ebenso
wie die begeisterten Stein-Besucher auch eine
eingeschworenen Stein-Verachtungsgemeinschaft
gibt. Abends gibt's manchmal auch klassische Musik:
Opern in einer Lautstärke, dass es nur so fetzt.
Oder Lateinamerikanisches. Und dann ist das Stein
vor allem bekannt - wegen seiner Events. Eines
der Testbild-Feste fand selbstverständlich hier
statt...
Roman Freihsl,
Der Standard vom 13. April 1995
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